6 gute Gründe, klein zu traden

Es gibt einige Vorstellungen über Trading, die in der Praxis nicht haltbar sind. Eines davon ist der Glaube, dass erfolgreiche Trader riesige Positionen fahren. Das wird in den Medien vielleicht so dargestellt, und auf einige wenige bekannte Hedgefonds-Manager mag das auch zutreffen. Aber es ist keineswegs der Standard. Das weiß ich nicht nur aus vielen Trader-Interviews, sondern auch aus eigener Erfahrung.

Denn woher kommt eigentlich der Drang, möglichst groß zu traden? Meist einfach daher, um damit schnell große Gewinne zu erzielen. Das allerdings ist die Perspektive der Gier. Kein guter Ausgangspunkt, um als Trader erfolgreich zu werden.

Viel besser ist die Perspektive des Risikos. Zu denken, “wie komme ich im schlimmsten Fall wieder halbwegs heil aus der Sache raus?”. Wer zuerst an das Risiko und erst dann an die Rendite denkt, hat langfristig deutlich bessere Karten.

Die Hauptidee dabei, klein zu traden, ist also das geringere Risiko. Doch das ist noch nicht alles. Ich bin fest davon überzeugt, dass kleine Positionen ein Vorteil im Trading sind. Und dafür habe ich heute 6 gute Gründe aufgeschrieben.

1) Es sind mehr Trades gleichzeitig möglich. Wenn jede Position klein ist, können auf dem Handelskonto mehr Positionen gehalten werden, bis die Marginauslastung erreicht ist. Natürlich sind mehr Positionen nicht immer besser – die Trades sollten sorgfältig ausgewählt und die Positionen untereinander möglichst gering korreliert sein. Wenn diese Voraussetzungen aber gegeben sind, dann kann mit mehr Positionen ein kontinuierlicheres Trading erreicht werden. Da man nie weiß, welche Trades besonders gut laufen werden, können sich bei striktem Risikomanagement sogar bessere Renditen ergeben.

2) Es kann kurzzeitig ohne Stopp gehandelt werden. Ich weiß, dass sich bei diesem Thema die Geister scheiden, denn viele Profis empfehlen, grundsätzlich niemals ohne Stopp zu handeln – aus gutem Grund. Denn schon oft wurden Trades, die ohne Stopp gehandelt wurden, genau deswegen zum absoluten Desaster. Allerdings kann es während und kurz nach den Einstieg in eine Position sinnvoll sein, zunächst keinen Stopp zu setzen und den Markt erst seine genauen Extrempunkte finden zu lassen. Natürlich nur dann, wenn man ganz genau weiß, was man tut und es in seinem Regelwerk entsprechend so vorgesehen hat. Und wenn die entsprechende Position – du hast es geahnt – klein genug ist. Dann kann man sich dieses kurzzeitige Risiko leisten.

3) Es sind (fast) keine Emotionen im Spiel. Je größer deine Positionen sind, desto eher wirst du emotional, statt objektiv und rational zu denken. Und das ist ein ganz großes Problem. Denn es führt oft zu den wirklich großen, manchmal zu existenziellen Fehlern. Viel besser ist es, so klein zu traden, dass die Emotionen im Wesentlichen außen vor bleiben. Nicht so klein, dass es völlig egal ist, was aus dem Trade wird, aber zumindest so klein, dass der Ausgang eines einzelnen Trades keine besondere Rolle spielt.

4) Kleine Positionen lassen sich problemlos über Nacht halten. Manche Trader können abends nicht einschlafen, weil sie ständig an ihre offenen Positionen denken müssen. Wenn das der Fall ist, dann sind ganz einfach die Positionen und damit die Risiken zu groß. Der Trader läuft Gefahr, emotional zu handeln. Bei kleineren Positionen ist es dagegen einfacher, Trades über Nacht zu halten und den Positionen so die Möglichkeit zu geben, sich entsprechend des Handelsplans zu entfalten.

5) Du kannst scheinbar waghalsige Einstiege umsetzen. Zum Beispiel ist es mit kleinen Positionen möglich, eine Aktie zu kaufen, die gerade mächtig nach unten abrutscht und eine wichtige Unterstützung durchbrochen hat. Nach klassischer technischer Analyse ein klares Verkaufssignal. Dort long einzusteigen würde so manchen Trader vor Angst erzittern lassen. Aber warum? Weil der Trade gegen die Intuition und gegen die aktuelle Marktstimmung ist? Oder ganz einfach weil die geplante Position und damit das Risiko zu groß ist? Ist die Position dagegen klein, kann man diesen Einstieg wagen. Und nicht selten erweisen sich gerade die brisanten Einstiege später als hervorragende Trades.

6) Es ist leichter, gute Trades länger zu halten. Wenn ein Trade mit hoher Positionsgröße ins Plus läuft, dann muss man ihn erstmal lange genug halten, um die entsprechend große Rendite einkassieren zu können. Das gelingt aber vielen nicht, da sie ihre Gewinne lieber schnell sichern möchten – emotionales Handeln aus Angst, die Gewinne wieder abzugeben. Klein zu traden führt dagegen dazu, dass man im Gewinnfall nicht so schnell zur Gewinnmitnahme neigt, da es sich einfach nicht lohnt, schnell wieder auszusteigen. Der scheinbare Nachteil, dass man nicht so schnell große Gewinne erzielt, lässt sich also ganz gut dadurch ausgleichen, dass Gewinn-Trades im Durchschnitt länger gehalten werden können. Eine große Position nützt nämlich überhaupt nichts, wenn man damit emotional nicht in der Lage ist, sie bis zum geplanten Ausstieg zu halten.

 

 

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