Eine Trading-Strategie – Turtle Soup

Falsche Ausbrüche traden

Jeder Forextrader kennt das Phänomen: Falsche Ausbrüche. Sie treten in allen Zeitebenen auf und scheinen fast mehr die Regel als die Ausnahme zu sein. Die Traderin Linda Bradford-Raschke hat eine Strategie entwickelt, die versucht von diesen kurzfristigen Umkehrbewegungen zu profitieren. Sie nannte es die Turtle Soup Strategie. Im Grunde ist es eine umgekehrte Turtle Strategie. Wir haben die Strategie in einigen Forex-Paaren getestet.

EUR/USD, 30-Minuten-Chart

Das Beispiel aus dem Paar EUR/USD illustriert die Strategie sehr gut. Die Bedingung für ein Long-Signal ist dann erfüllt, wenn der Hintergrund grün gefärbt ist. Dieser Signalfilter besteht aus zwei exponentiell gleitenden Durchschnitten (einem 21-perioden EMA und einem 30-Perioden EMA). In diesem Beispiel vom 29 Dezember 2014 gab es 3 Long-Signale nacheinander (grüne Pfeile). Der rote Strich ist die Stop-Loss-Order, die relativ weit entfernt liegt vom aktuellen Kursgeschehen. Wenn der Marktpreis ein neues 5-Hoch erreicht (bei Long-Positionen) wird die Position geschlossen. Dies gelang hier zweimal (blaue Pfeile) aber bei der dritten Position wurde die Stop-Loss-Order erreicht. Der dritte Trade machte also die aufgelaufenen Gewinne zunichte. Hier sehen wir einen ersten Kritikpunkt.

EUR/USD, Equity-Curve 2011-2015

Trading Strategie Turtle Soup Linda Raschke

Der Backtest im Währungspaar EUR/USD ergab durchaus einen Gewinn. Wir sehen aber, dass der Trader große Drawdowns zu verkraften hätte. Dies war in 2011 der Fall, als alle aufgelaufenen Gewinne wieder abgegeben werden mussten. Darüber hinaus befindet sich das System seit Mai 2013 bis heute in einer Drawdown-Phase, die wohl die Nerven des allergeduldigsten Traders überstrapazieren würde.

Backtest-Auswertung EUR/USD

Trading Strategie Turtle Soup Resultat

Die Gründe für dieses Problem sind eindeutig in der statistischen Auswertung des System zu finden. Zwar ist die Trefferquote relativ hoch (knapp 60 %), aber der durchschnittliche Verlust (rot) ist deutlich höher als der durchschnittliche Gewinn (grün). Das stetige Akkumulieren von kleinen Gewinnen, die ja die Prämisse dieser Strategie ist, konnte die gelegentlich auftretenden größeren Verlusten nicht aufwiegen. Dafür hätte die Trefferquote deutlich über 70 % liegen müssen.

Ein weiterer Test für dieselbe Periode im Währungsverhältnis GBP/USD bestätigte unsere erste Einschätzung. Zwar war hier der maximale Drawdown deutlich geringer, aber auch hier lag der durchschnittliche Gewinn (141,62) deutlich unter dem durchschnittlichen Verlust (197,76).

Ähnliche Ergebnisse erzielte die Strategie auch in einigen Cross-Currencies. Im EUR/CAD zum Beispiel lag die Trefferquote bei 62 %, aber auch hier lag der Verlust deutlich über den Gewinn.

Fazit

Zwar ist die Turtle Soup-Strategie von Linda Bradford Raschke in den meisten Währungspaaren profitabel, aber die geringe Profitabilität muss mit tausenden Trades mühsam erwirtschaftet werden. Darüberhinaus befinden sich fast alle Währungsverhältnisse seit Mitte 2013 in einer Drawdown-Phase. Dieses Phänomen stellen wir nun auch bei anderen Strategien fest. Es kann also der Strategie von Frau Raschke nicht angelastet werden. Allerdings darf die Frage gestellt werden, ob sich ein gutes System nicht in jeder Marktphase als robust erweisen sollte? Denkbar ist aber auch, dass Trading-Ideen, die in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts gute Dienste erwiesen haben, heute eher versagen. Möglicherweise hat der gesteigerte Anteil des algorithmischen Handels im Forex etwas damit zu tun.

 

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