Schwarze Schwäne, Truthähne und die Märkte

Manchmal passieren Dinge, die gibt es gar nicht – oder die sollte es zumindest nicht geben. Und wenn, dann sollten sie gemäß klassischer Normalverteilung nur alle paar Milliarden Jahre auftreten. So zum Beispiel ein Börsencrash wie im Jahr 1987 oder der Crash des EUR/CHF am 15. Januar 2015. Lass uns mal analysieren, warum es sie doch gibt und was das für unser Risikomanagement bedeutet.

Im Jahr 2008 erschien ein (inzwischen weltbekanntes) Buch von Nassim Taleb, in dem er sich dem Thema sehr unwahrscheinlicher, extremer Ereignisse widmete (2. Auflage im Jahr 2010). [1] Solche Ereignisse nennt er “Schwarze Schwäne”. Es müssen übrigens keine negativen Ereignisse sein, positive Überraschungen zählen ebenso dazu. Warum Schwarze Schwäne aber meist negativ sind, erzähle ich dir weiter unten.

Du fragst dich jetzt vielleicht, wie Taleb auf den Begriff “Schwarzer Schwan” kam. Ursprünglich gingen die Menschen davon aus, dass ausschließlich weiße Schwäne existieren – schließlich wurde nie etwas anderes beobachtet. Man hielt daher die Idee, dass ein Schwan schwarze Federn haben kann, für ausgeschlossen. Doch dann wurden Ende des 17. Jahrhunderts überraschend schwarze Schwäne in Australien entdeckt. [2] Mit einem Schlag hatte sich das bisherige Weltbild als falsch herausgestellt.

Der wichtige Punkt an dieser Geschichte ist, dass es ein erheblicher Unterschied ist, ob etwas noch nur nie beobachtet wurde, oder ob es wirklich “unmöglich” ist. Gerade an der Börse kann dieser feine Unterschied entscheidend sein:

● Nur, weil noch nie eine Währung innerhalb von Minuten um 20 Prozent abstürzte, heißt das nicht, dass es unmöglich ist (EUR/CHF-Crash).
● Nur, weil es beim S&P 500 noch nie einem Tagesverlust über 15 Prozent gab, heißt das nicht, dass dies nicht irgendwann passieren kann (über 20% Verlust am 19. Oktober 1987).
● Stell dir vor, du bist ein Truthahn. Nur, weil du über Monate regelmäßig gefüttert und umsorgt wirst, heißt das nicht, dass es immer so weiter geht. Denn was du nicht ahnst, ist, dass dir dein Besitzer eines Tages den Kopf abhackt und dich für Thanksgiving in den Ofen schiebt (ein anschauliches Beispiel aus Talebs Buch).

Sei kein Truthahn! Die Finanzmärkte können ähnlich grausam wie der Truthahn-Züchter sein, wenn aus heiterem Himmel ein Extremereignis auftritt, dass dich „den Kopf kosten kann“, nachdem du über eine lange Zeit „angefüttert“ wurdest und Vertrauen gefasst hast.

Schön und gut, aber wie kannst du dich nun schützen? Wie du schon siehst, treten Schwarze Schwäne extrem selten auf. Wenn sie aber auftreten, dann stellen sie alles auf den Kopf. Natürlich kannst du auch Glück haben und zufällig auf der richtigen Seite einer solchen Bewegung stehen, aber das ist reiner Zufall. Denn ein Merkmal des Schwarzen Schwans ist ja gerade, dass zuvor niemand damit rechnen konnte. Wirksam schützen kannst du dich – theoretisch – mit sehr weit aus dem Geld liegenden Optionen, die dich aber permanent Geld kosten, wenn nichts Verheerendes passiert. Und da du vorher nicht weißt, ob und wo ein Schwarzer Schwan auftritt, ist das keine Lösung.

Bleibt also am Ende nur der Weg, deine Positionen relativ zu deinem Handelskonto klein zu halten. Natürlich sind die Folgen eines Crashs, wenn du auf der falschen Seite stehst, dann immer noch massiv, aber sie kosten dich nicht deine Existenz und du kannst dich wieder davon erholen. Denk immer an den armen Truthahn.


Quellen:
[1] Taleb, N. (2010), The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable, Random House, 2. Auflage.
[2]

http://en.wikipedia.org/wiki/Black_swan

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