Shorten oder nicht shorten? (Teil 2)

Long und short

„Ein guter Trader sollte in der Lage sein, den Markt von beiden Seiten zu traden. Er sollte also nicht nur steigende, sondern auch fallende Kursnotierungen ausnutzen.“  Diesen Satz haben die meisten Trader bestimmt schon mal in einem Trading-Buch gelesen. Er wird meistens unreflektiert hingenommen und als Selbstverständlichkeit akzeptiert. Ein aktiver Trader ist jemand, der long und short geht.

Es gibt auch fallende Trends

Wir haben aber im ersten Artikel festgestellt, dass die Zahlen eine ganz andere Sprache sprechen. Viele Trader favorisieren die Long-Seite. Und gerade die letzten 6 Jahre, in denen die Aktienmärkte fast nur noch gestiegen sind, haben das ihrige dazu beigetragen, dass viele Trader, nur noch Long-Positionen eingegangen sind. Dabei gab es genügend Märkte, die starke Downtrends aufzuweisen hatten. Das Beispiel Ölmarkt haben wir schon erwähnt. Aber auch Gold und Silber und der Euro befinden sich seit längerem in fallenden Trends.

Aktien bestimmen das Sentiment

Es scheint so zu sein, als würde die Tendenz an den Aktienmärkten auch bei den aktiven Anlegern das Sentiment bestimmen, ungeachtet dessen, was an anderen Märkten gerade passiert. Dabei liegt der innere Wert eines jeglichen Marktes (Aktien, Rohstoffe, Immobilien) am Ende des Jahres gerade mal 1 oder 2 % höher als ein Jahr zuvor.

Märkte schaffen gerade mal die Inflationsrate

Das Netto-Ergebnis von allen Gewinnen und Verlusten aller Märkte beträgt in der Tat 1 oder 2 %, also die Inflationsrate. Das bedeutet natürlich, dass wenn Sie eine Aktie finden, die 20, 30, 50 % oder gar noch höher gestiegen ist, eine andere Aktie bedeutend an Wert verlieren muss, damit das Gesamtergebnis des Marktes die Inflationsrate erreicht.

Eine positive Verstärkungs-Maschine

Für alles, was steigt, gibt es also eine genauso große Anzahl von Aktien und Märkten, die nicht steigen und sogar fallen. Dennoch scheint die übergroße Mehrheit der Anleger davon auszugehen, dass die Vermögenswerte langfristig  steigen werden. Jim Chanos, der Spezialist für Leerverkäufe, nennt die Börse daher eine riesige „positive Verstärkungs-Maschine“ (a giant positive reinforcement machine). Und zwar nicht nur die Börse, sondern unsere ganze Gesellschaft ist auf positive Verstärkung aus. Es beginnt in der Kinderstube, wird in der Schule massiv gefördert und zeigt sich schließlich allenthalben im Berufsleben.

Anerkennung sicher

Der Begriff „Positive Verstärkung“ kommt aus der Verhaltenspsychologie. Gemeint ist ein Reiz, der einen angenehmen Zustand hervorbringt und dazu führt, dass wir dieses Verhalten häufiger zeigen. Diese positiven Verstärker kommen meist wie eine Art Belohnung daher in Form von Anerkennung, Lob,  Zuwendung, Geld, Schokolade, usw.

Shortseller gesellschaftlich geächtet

Wer also auf steigende Kurse setzt, handelt konform mit dem gesellschaftlichen Mainstream und wird als Belohnung mit Anerkennung und Lob zu rechnen haben. Shortseller gehen laut Chanos den entgegengesetzten Weg, nämlich den der „negativen Verstärkung“.   Diese ist aber nicht wie das Gegenteil von positiver Verstärkung zu verstehen. Es geht nicht um Bestrafung. Oft werden zum Beispiel Vermeidungsverhalten durch negative Verstärkung aufrechterhalten wie in Gefahrensituationen.

Prädisponiert für long

Wer von seiner natürlichen und anerzogener Prädisposition immer auf Belohnung und gesellschaftliche Bestätigung und Anerkennung aus ist, wird eher handeln im Sinne der positiven Verstärkung. Was dies für das Long-Short-Verhalten von Tradern zu bedeuten hat schauen wir uns im dritten Artikel an.

 

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