Wölbung, oder wann verdient der Trader Geld?

Ein 500 Euro-Tag

Wie jeder Arbeitnehmer möchte man auch als Trader gerne jeden Tag 100 Euro mit nach Hause nehmen, am Ende des Tages, aber so funktioniert die Börse natürlich nicht. Ein Arbeitsnehmer hat die beruhigende Gewissheit: Jeden Tag verdient er gleichmäßig 100 Euro. Allerdings macht der Trader öfters die Erfahrung, plötzlich am Dienstag 500 € zu verdienen, dafür aber den Rest der Woche nichts mehr. Er weiß, also, dass jede Woche manchmal ein 500 Euro Tag beinhaltet, nur weiß er nicht, welcher Tag genau das sein wird.

Ungleiche Verteilung der Gewinne

Die Verteilung der Gewinne in eine Serie von Versuchen, die der Trader macht, stellt ihn oftmals vor ein Rätsel. Manchmal verdient der Trader innerhalb kürzester Zeit eine ansehnliche Summe mittels zwei oder drei gut platzierten Trades. Und dann wiederum scheint es so zu sein, als ob das Glück den Trader verlassen hat. In den Tagen nach dem Gewinn verliert er ein wenig, und die geringen Gewinne sind nicht groß genug, um die Verluste zu decken. Dies kann so noch Tage oder sogar Wochen weitergehen bis es wieder mal eine kleine Reihe von größeren Gewinnen gibt.

Wölbung

Man kennt dieses Phänomen auch in der Welt der Statistik. Und es wird eigentlich jedem Trader empfohlen, sich zumindest mit den Grundsätzen dieser statistischen Prinzipien Vertraut zu machen. Es ist zum Beispiel schon seit langem bekannt, dass die Renditen von finanziellen Serien nicht der Normalverteilung (Gauß-Verteilung) folgen. Sie sind eher Leptokurtisch. Was bedeutet das? Das Konzept der Wölbung ist ein Maß für die "Spitzigkeit" in der Statistik. Eine hohe Wölbung weist auf einen Datensatz mit einen starken Spitze hin. Dies bedeutet, dass der größte Teil der Varianz durch seltene Extremwerten verursacht wird (Welt der Trader). Eine niedrige Wölbung dagegen, weist eher auf eine flache Verteilung der Daten (Welt der Arbeitnehmer). Die Varianz ergibt sich hier aus einem größeren Verteilung von weniger extremen Werten.

Volatilitäts-Cluster

Eine niedrige Wölbung kommt allerdings selten in der Börsenwelt vor. Die Asymmetrie der Renditen liegt hier wahrscheinlich an dem bekannten Volatilitäts-Cluster-Phänomen. Es wurde festgestellt, dass Perioden von hoher und niedriger Volatilität oft in zusammenhängenden Blöcken auftreten. Starke Kursbewegungen verursachen weiteren starken Kursbewegungen und umgekehrt. Erhöht sich zum Beispiel der Kurs einer Aktie stärker als seine Branche, dann sind die Chancen groß, dass dies morgen auch noch der Fall sein wird.

Unregelmäßiges Einkommen

Der Cluster-Effekt wirkt sich also auch auf die Erträge des Händlers aus. Dieser muss lernen, mit den leptokurtischen Eigenschaften seiner Renditen um zu gehen. Und da drückt für viele Anfänger bereits der Schuh. Sie kommen meistens aus der Welt der Arbeitnehmer (niedrige Kurtosis) und sind es nicht gewohnt, dass sie in eine komplett fremde Welt eintreten, die sich auf ganz andere Gesetze basiert. An der Börse bekommt man vielleicht am Montag 500 Euro und dann den Rest der Woche nichts mehr. Schlimmer noch, Sie müssen von Dienstag bis Freitag sehr diszipliniert sein, um den Schaden zu begrenzen. Dann haben Sie die 500 Euro am Freitag vielleicht noch auf Ihrem Konto.

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