Wann sind Trading-Systeme wirklich robust? (Teil 2)

Wann sind Trading-Systeme wirklich Robust? (Teil 2)

Top-down versus Bottom-up

In dem ersten Artikel dieser Reihe haben wir versucht die von Nassim Nicholas Taleb eingeführte Kategorie „Antifragilität“ etwas genauer zu definieren. Dabei sind zwei wichtige Verfahren im Umgang mit Systemen deutlich geworden. Taleb unterscheidet zwischen Top-down-Verfahren und Bottom-up-Verfahren. Ausgehend von seinem Denkansatz bezeichnet er die meisten Top-Down-Verfahren als fragil. Wir lassen dieses Urteil Talebs zunächst stehen und versuchen möglichst vorurteilsfrei beide Verfahren genauer anzuschauen.

Zwei Trader-Typen

Übertragen wir diese Unterscheidung nun auf Trading-Aktivitäten (was Taleb selber auch macht) können wir auch hier zwei verschiedene Trader-Typen ausmachen. Zum einen gibt es Trader, die von der Theorie zur Praxis übergehen (Top-down), zum anderen Trader, die einfach traden und auf Grund von Beobachtung zu Schlussfolgerungen oder Trading-Regeln kommen (Bottom-up).

Die Top-down-Trader

In diesem Artikel wollen wir die erste Gruppe etwas näher betrachten. Dies ist ein Typus, der gerne „alles unter Kontrolle hat“. In der Regel handelt es sich um sehr strukturierte Persönlichkeiten. Man findet zum Beispiel viele Personen mit einem Ingenieurstudium unter ihnen. Es handelt sich also um Menschen, die gelernt haben bei allem, was sie tun, systematisch und strukturiert vorzugehen. Ausgehend von einer bestimmten Theorie oder Konzept „entwerfen“ sie gleichsam ihre Börsen-Strategie am Reißbrett und setzen diese dann Schritt für Schritt in die Praxis um.

Trading as a business

Für diese Gruppe von Tradern wäre es ein Graus irgendeinen Trade an der Börse zu tun ohne exakt zu wissen wieso und weshalb. Sie haben ein klares Regelwerk für sich formuliert, nach dem sie peinlich genau vorgehen. Auf sie trifft überdies zu, wenn man von „Trading as a business“ spricht. Sie haben einen Trading-Plan, führen meistens ein Trading-Journal, planen und analysieren jeden Trade. Es erübrigt sich fast zu sagen, dass alle Trades, die sie durchführen, automatisch von einer Stopp-Loss-Order und meistens auch von einer Take Profit-Order begleitet werden.

Die „Griechen“ der Börse

Die meisten, wenn nicht alle, Systementwickler gehören zu diesem Typus. Automatisierte Handelssysteme sind geradezu die konsequente Durchführung dieses Prinzips. Sie sind – um es mit Talebs Metapher zu sagen – die Griechen der Börse. Ausgehend von einer Idee, einem bestimmten Konzept oder Theorie der Börse entwickeln sie eine Strategie, die die Theorie planmäßig umsetzen soll. Am liebsten völlig automatisiert.  Nichts wird dem Zufall überlassen. Alles ist bis zum letzten Detail geplant. An deren Risikomanagement ist meist nichts auszusetzen.

Deduktive Methode

In der Wissenschaftstheorie ist dieses Verfahren als deduktive Methode bekannt. Es ist ein logisches Verfahren, bei dem aus einer allgemeinen Aussage (ein Axiom oder ein Theorem) das Besondere abgeleitet wird. Anders formuliert: aus Prämissen werden Schlüsse (Konklusionen) deduziert. Nicht zufällig ist dies auch die Methode der modernen mathematischen Logik. Auch hier werden Ergebnisse formal aus einem Axiomensystem abgeleitet.

Die Induktive Methode

In einem folgenden Artikel wollen wir die zweite Gruppe genauer anschauen: die Trader, die nach der induktiven Methode arbeiten. Überspitzt formuliert kann man behaupten, dass diese Gruppe genau umgekehrt vorgeht. Sie geht in der Regel von einzelnen Beobachtungen aus und schreitet über ein logisches Verfahren zum Allgemeinen (Theorie) voran.

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